Lebst du eigentlich hinter dem Mond!?

In letzter Zeit höre ich diesen Spruch sehr oft.

Irgendwann habe ich aufgehört, Zeitungen zu lesen. Radio hören und Fernsehen, zumindest News-technisch, hatte ich gar nie erst angefangen. Doch wieso habe ich das getan? Waren die Zeitungen zu wenig spannend?

Eigentlich waren mehrere Gründe dafür verantwortlich.

1. Ja, die Zeitungen schrieben meiner Meinung nach immer öfter Schwachsinn, der mich nicht interessierte. Irgendwann war es soweit, dass ich von Anfang an zum Horoskop blätterte, ohne überhaupt daran zu glauben. Immerhin schaffte es dieses doch noch ein kleines bisschen, den Unterhaltungsfaktor in mir anzuregen.

2. Die Zeitungen quellen nur so über von eigenen Meinungen der Journalisten. Das ist ja eigentlich nicht unbedingt verkehrt. Einen ansprechenden Text ohne eigene Meinung zu schreiben, ist in vielen Gebieten kaum möglich. Dieser Blog ist dem keinen Schritt voraus, zugegeben. Aber er wurde auch für diesen Zweck erst ins Leben gerufen.
Bei den Zeitungen ist das anders. Sie sollen über die Geschehnisse auf der Welt möglichst neutral berichten (denke ich zumindest). Und genau dieser Punkt ist der Hauptgrund für diesen Artikel.

Ich bin echt im Zwiespalt mit dem Thema. Einerseits ist da die Sehnsucht nach Wissen, nach Weltoffenheit und Mitsprachemöglichkeiten. Andererseits ist mir irgendwann viel zu klar geworden, wie sehr der Spruch „Jedes Medaillon hat zwei Seiten“ der Wahrheit entspricht. Manchmal sind es sogar mehr als zwei und das Medaillon wird zum Prisma.
Wenn ein Journalist über ein Thema berichtet, ist es ihm nicht möglich, alle diese Seiten aufzuzeigen. Er muss sich auf eine Seite beschränken. Menschen wollen keine vagen Vermutungen lesen, sie wollen Tatsachen.

Das Thema Meinungsbildung kommt hierdurch sehr stark zum Tragen. Lese ich die Zeitungen, so setze ich mich permanent einseitig beleuchteten Tatsachen aus. Die Möglichkeit, mich mit allen Seiten gleich stark auseinander zu setzen,  wird damit in den Schatten gestellt. Lese ich gar keine Newsblätter, kann ich mir erst gar keine Meinung bilden. Schliesslich bin ich mir dadurch den allgemeinen Thematiken in der Welt schlicht nicht bewusst. Es fehlt das Wissen.
Ob man es will oder nicht, das Hirn funktioniert nun einmal so. Was ihm als Tatsachen vermittelt wird, setzt sich fest und wird Teil vom eigenen Wissen. Ist dieses Wissen auch noch als „vollständig“ getarnt, wird es automatisch schwerer, sich bewusst zu bleiben, dass es auch andere Wahrheiten zum gleichen Thema gibt.

Also muss ich mir immer wieder die Frage stellen: Was will ich? Will ich Halbwissen und mir dadurch eventuell falsche Meinungen bilden? Oder will ich dann doch lieber gar kein Wissen.

Wie gehst Du mit diesem Problem um? Vielleicht hat Du mir auch den einen oder anderen guten Tipp?

16 Comments

  1. Als Journalist kann man ohne eigene Meinung schreiben, das tun nur viele nicht mehr, weil es auch nicht gewünscht ist vom Leser. Oft zumindest. Aber das Endprodukt ist ein wenig, wie Dein Joghurt-Traum. Am Ende ist der objektive auch von den eigenen Erwartungen und Informationen geprägt.

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  2. Mein Joghurt-Traum. :) Genau, das meine ich. Man kann versuchen, neutral und objektiv zu bleiben, ganz gelingen wird es aber, denke ich, selten. Wir sind ja doch immer nur Menschen und nicht alles überblickende, allwissende Gottheiten oder Ähnliches.

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  3. Oh, ein schwieriges Thema… Ich glaub da gibts kein richtig oder falsch… Ich versuch mich von den ganz üblen „Dingern“ (bei uns zB die BILD Zeitung) fernzuhalten. Auch die ganze K*cke im TV ist unfassbar schrecklich. Da leb ich gerne hinterm Mond ;-)

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    • Herzlich willkommen hinter dem Mond, hier ist es so angenehm ruhig, finde ich. :) Genau, die BILD ist sicher ein gutes Beispiel… oder hier die 20minuten.

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  4. Interessanter Artikel!
    In vielen Dingen muss ich dir recht geben. Mir ist es oft auch zuwider, mir meine Meinung von Menschen bilden zu lassen, denen ich gar nicht vertrauen kann. Ich finde aber: Ganz ohne Nachrichten geht es auch nicht. Ich muss schon ein bisschen wissen was los ist in der Welt. Dabei versuche ich aber alles mit einem objektiven Blick zu sehen und nicht alles gleich zu glauben. Das gelingt nicht immer. Vieles lässt sich auch einfach nicht nachweisen oder bestätigen. Mir ist wichtig das ich mir die Medien selbst heraussuche. Deswegen gibt es bei uns zuhause auch keinen Fernseher. Wenn dann informiere ich mich im Internet oder sogar ganz Oldschool über die Tageszeitung ;-)

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  5. Hallo Daniel

    Danke für deine Meinung. Das ist sicher eine gute Taktik, sich bewusst die passenden Medien zu suchen. Und manchmal ist es auch wirklich gut, doch mehr oder weniger zu erfahren, was auf der Welt geschieht. Je nach Job ist das natürlich auch notwendig.

    Hauptsache, es geht einem mit dem Umgang damit gut. Und dass du dir bewusst Mühe gibst, die Dinge objektiv zu sehen, finde ich natürlich ganz toll!

    Liebe Grüsse
    Tatjana

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  6. wie gut es tut, diese ansicht auch einmal an anderer stelle zu lesen! ich habe früher (sehr lange) alles gemieden, was mit „breaking news“ zusammenhing. und es ging mir sehr gut damit. eben aus genau diesen gründen. ich habe mich nicht gut informiert gefühlt, weil die dinge ganz offensichtlich von einer bestimmten seite beleuchtet wurden. lieber wollte ich neutragl (oder unwissend) sein, aber zumindest nicht manipuliert.
    im job ging das dann nicht mehr wirklich und so bin ich in die sache hineingekippt. ich lese unendlich viel und in unterschiedlichsten zeitungen, um ein bild von mehreren seiten zu bekommen. und ich rufe mir immer und immer wieder in erinnerung, vorsichtig mit den informationen zu sein. gleichzeitig bin ich täglich entsetzt und schockiert, was als allgemeingültige wahrheit verkauft wird – und wieviele menschen das so schlucken und für sich unhinterfragt annehmen.

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  7. Hallo Paleica
    Schön, dass es dir gut tut! Ich finde es auch angenehm, zu hören, dass es scheinbar doch auch anderen so geht. :)
    Ich muss sagen, mir würde schlicht die Zeit dazu fehlen, mir zu dem gleichen Thema so viel zusammen zu suchen. Also wirklich, Hut ab vor diesem Einsatz!
    Ich finde es auch immer erschreckend, wie leichtgläubig die Menschen sind. Nicht, dass ich in jedem Fall besser wäre. Umso erschreckender. ;)

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  8. Huhu Anja,

    ich finde es durchaus wichtig das man seine Scheuklappen nicht total verschliesst, und quasi mit der Hand vor den Augen das Mantra aufsagend „Mein Name ist Hase, ich weiss von nix“, durch die Welt zieht. Du bist Teil dieser Welt und es wird Dinge geben die auch dich irgendwann mehr oder weniger betreffen könnten. Dann zu sagen – ich wusste das nicht – ist keine Entschuldigung. Die Dinge/Probleme die dann unter Umständen sogar bei dir in einer mehr oder wenigen „heilen“ Welt ankommen werden deswegen wohl nur in den allerwenigsten Fällen stehenbleiben oder sich auflösen, wenn sie das zuvor auch nicht getan haben.

    Das bedeutet aber nicht das du gezwungen bist alles zu glauben was du liest und hörst. Ein gesunder Skeptizismus kann sicherlich helfen. Mach dir ein eigendes Bild zu einer Sache. Und such dir Quellen die eben nicht eine propagandistische Meinungsmache betreiben wie die hier erwähnte „Bild“-Zeitung.

    Ich glaube auch nicht das du jetzt immer alles völlig neutral ausgeleuchtet findest, aber eine seriöse Berichterstattung lässt dir sicherlich den Freiraum nicht die Meinung des Verfassers vollkommen teilen zu müssen. Es ist ein Blick auf Dinge die dich bewegen können, ja bewegen sollen dich mehr mit der Materie zu beschäftigen, eine eigende Stellung zu beziehen. Ich glaube wenn du beim Lesen eine Art Unbehagen (oder auch der Unglaube) empfindest fängst du an nachzudenken. Andersrum kann zuviel „Honig ums Maul“ natürlich dazu führen das man die Position zu leicht ganz selber übernimmt. Man „möchte“ das auch so sehen. Das kann dich natürlich einlullen nicht selber nachzudenken. Aber dann hilft es wenn du nachdem du etwas gehört oder gelesen hast mit anderen Menschen darüber sprichst.

    Noch was – stell dir vor alles wäre total emotionslos und neutral geschrieben. Ich könnte mir vorstellen das viele Dinge dir kaum noch ins Auge fallen würden, die du eben erst deswegen anfängst selber auszuleuchten, weil sie auch ein wenig polarisieren. Worauf es ankommt sind die Argumente die ein Autor hoffentlich erwähnt, die seine Meinung ausmachen. Dann hast du auch Punkte an denen du dich selber fragen kannst – seh ich das wirklich auch so.

    Welche Medien du für dich für geeignet findest ist wieder eine andere Frage. „Bild“ ist zum Beispiel auch für mich nix weiter als ein sehr schlechtes Propaganda-Blättchen wo sich beim Lesen fast immer eine starke Abneigung breitmacht diesen Mist weiterzulesen. Also weg damit in den Müll wenn du das Käseblatt findest. ;)
    Aber du musst dich nur umschaun oder andere Menschen fragen was sie denn nutzen. Mit der Zeit wirst du deine Wahl treffen. Ich schau zum Beispiel schon gerne die öffentlich-rechtlichen Nachrichten im Fernsehen. Die halte ich durchaus für seriös. Das heisst aber nicht das ich alles 1:1 übernehmen muss.

    LG
    Dominik

    PS:
    Jetzt hab ich deinen Blog auch gefunden.

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  9. Tyrus! Was für eine wundervolle Überraschung, dich hier zu lesen! :)

    Du hast natürlich recht, man kann die Augen nicht vor allem verschliessen und das wäre auch nicht gut. Aber ich muss nun einmal nicht über alles bescheid wissen. So Dinge wie, welcher Star gerade wen geheiratet hat, oder wer seine Familie ermordet hat usw. Es reicht mir, wenn ich das von Kollegen mitbekomme, die mich dann ungläubig mit den bereits genannten Worten „Lebst du eigentlich hinter dem Mond!?“ attackieren. ;) Aber es kam halt auch schon vor, dass ich von einem Erdbeben oder Ähnlichem nichts wusste. Finde ich aber auch nicht tragisch, denn was nützt es den Leuten, wenn ich davon weiss und darum schlechte Gefühle habe ala „Arme Menschen dort“?

    Das mit dem richtig informieren ist halt so eine Sache. Ich würde mich liebend gerne endlos über alles Mögliche informieren. Nur fehlt mir dann oft die Zeit und/oder die Energie, das auch zu tun. Man hat ja schliesslich auch ein eigenes Leben. Ich muss aber sagen, als Job würde es mir unheimlich Spass machen. Dann wäre ja auch die Zeit extra dafür reserviert. ;)

    Ich glaube, mit Facebook und nur schon durch diesen Blog hier (bzw. andere Blogs die ich seither lese) bin ich mindestens über die wirklich wichtigen Geschehnisse automatisch informiert. Man kommt irgendwie einfach nicht darum herum. Und im Moment macht es mir sogar wieder Spass, in verschiedenen Zeitschriften zu blättern. Das ist immer phasenweise. Nur lese ich dann halt auch einzig das, was mich interessiert.

    Zum Thema alles emotionslos und neutral zu schreiben, das ist mir natürlich klar, dass niemand so etwas lesen würde. Und natürlich würde es auch oft in den Recherchen zu weit führen oder in den Nachrichten zu viel Platz wegnehmen, würde man jede Seite mit einbeziehen. Ich wollte damit nur sagen, dass mir das manchmal zu schaffen macht und ich mich dann sorge, selber nicht mehr genug zu sehen. Aber so sind wir Menschen, da ist denke ich kaum etwas zu machen.

    Eine dicke Umarmung
    Anja

    PS: Ich freue mich echt unheimlich, dass du von dir hören lässt! Wie hast du mich nur gefunden? ;)

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  10. Huhu Anja :)

    zuerst einmal glaube ich einfach nicht das DU hinter dem Mond lebst! Aus dem was ich von dir weiss würde ich dich wirklich nicht so einschätzen.
    Nur weil man irgendwas eher Belangloses nicht weiss, wie meinetwegen ob Prinz Harry nackt auf ner Kuhweide erwischt wurde – lol.
    Sowas interessiert mich, genauso wie dich, eher auch gar nicht. Da würde ich genauso wie du oft auch passen müssen.

    Und ja – du hast völlig Recht das es ne Menge Unwichtigkeiten sind mit denen man heute bombadiert wird. Aber ich finde da hilft dir wieder die Wahl der Quelle aus der du deine Informationen beziehst, wie dort gefiltert welche Informationen weitergegeben werden.
    Ich selber fühle mich eigentlich gut informiert wenn ich einmal am Tag für 15 Minuten vielleicht die Nachrichten am Fernsehen schau. Dabei bisse ja auch nicht so wahnsinnig an eine feste Uhrzeit gebunden. Und 15 Minuten find ich jetzt auch nicht so wirklich viel. Den Sportteil am Ende lass ich ja auch mitunter aus weils da schon wieder unwichtig wird für mich. Jaja ich bin kein Fussballmensch (und das in Deutschland *lach*) und leb diesbezüglich manchmal bestimmt auch irgendwie ein bischen hinter dem Mond. Aber das tu ich dann gerne und „grins mir einen“ wenn ich nix weiss. ;)

    Dinge wie ein Erdbeben in Nepal finde ich aber schon wieder wichtiger. Also ich möchte auch nicht wirklich genau wissen wieviele Menschen gestorben sind und laufend darüber Updates bezüglich der Zahl der Toten bekommen. Manchmal nervt mich das regelrecht, wenn man versucht, die Schwere von Ereignissen auf solche Zahlen zu reduzieren.
    Mein Gewissen brauch keine Zahlen um sich MEHR betroffen fühlen zu dürfen. Es lässt mich nicht kalt – egal wieviele Tote es nun sind.
    Deswegen, ja ich finde es wichtig von solch schlimmen Dinge zu erfahren und darüber danach dann mit anderen reden zu können/dürfen. Klar werde ich dann wohl kaum zum Superhelden (selbst wenn ich das manchmal möchte) und meine Möglichkeiten etwas zu ändern sind nur sehr gering. Es kann nicht jeder vor Ort gehen und helfen, das weiss ich auch. Aber das Mitgefühl das ich habe, dafür schäme ich mich nicht. Durch das Gespräch mit anderen Menschen kannst du aber eben wohl etwas erreichen. Für mich liegt darin eine Form „spiritueller Kraft“ die ansteckend wirkt. Du trägst dazu bei das ein Bewusstsein sich ausbreitet. Das ist so wie bei den Witzen die um die Welt gehen und die irgendwann die meisten kennen.

    Deswegen – sei betroffen über solche Ereignisse, du musst dich deswegen auch nicht den ganzen Tag schlecht fühlen danach. Viel wichtiger ist es das du eine Stimmung in dir weitergibst. Vielleicht beeinflusst es sogar dein Handeln an diesem Tag. Aber wenn dann wohl eher in einer positiven Weise würde ich denken.

    *dich fest drück*
    Dominik

    PS:
    Ich freu mich auch ganz dolle das wir mal wieder was schreiben. :)
    War ja schon lange her und in Uni kannst du mich grade unter Tyrus nicht erreichen weil ich den nicht einloggen darf. Aber du kannst nach Vanyel Ausschau halten. Der hat sogar ne Postweiterleitung und du kannst dort auch intern Post an ihn schreiben die dann weitergesendet wird. ;)

    PPS:
    Ich finde deine kleine Gedankenmalerei hier wirklich toll gelungen. Macht wirklich Spass hier zu lesen. :)
    Gefunden hab ich das hier über das von mir eher gemiedene Facebook – irgendwann musste ich doch mal nach dir Ausschau halten oder findest du nicht. *grins*
    Nee ganz ehrlich es war schon so lange her das wir geschrieben haben und ich hab da echt was vermisst. :)

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    • Das freut mich total, dass du hier gerne liest. :)

      Ach naja, mal lebe ich mehr hinter dem Mond, mal weniger. Es ist ja auch immer Ansichtssache, ab wann man da lebt.

      Und natürlich ist ein Erdbeben in Nepal nicht egal, da stimme ich dir zu. Aber sind wir ehrlich, seit der Globalisierung erfährt man von überall auf der Welt alles was passiert. Und so wird es irgendwann zu viel, jedenfalls für mich. Ich will nicht für die ganze Welt eine Betroffenheit mit mir herum schleppen. Das würde mich zerstören.

      Jedenfalls, ich werde diese Diskussion mal auf das Mail verlegen, das führt hier sonst zu weit. :)

      Siehst du, Facebook ist doch nicht nur schlecht. ;) Ich suche dich mal in Uni.

      Liebe Grüsse
      Anja

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