Schlagwort: Medienwelt

Die Welt der vielen Möglichkeiten, die Welt der Tabus

Du kennst bestimmt den Spruch «Wenn du nur willst, kannst du alles erreichen!». Und gleichzeitig wirst du auch folgende Aussage kennen: «Pass auf, was du sagst.» Ein Paradoxon?

In einer Zeit der illustrierten Freiheit können wir unsere eigenen Wege einschlagen, unsere Träume verwirklichen, auf bisher unbekannten Pfaden wandern. Das Rezept für den Erfolg: Eine Handvoll Selbstvertrauen, vermischt mit einer Prise Mut und einem angebrochenen Stück Talent. Packen wir unseren Rucksack. Auf, in die grosse, freie Welt hinaus! Auf unserer Reise durchlaufen wir bestimmt verschiedene Stationen. Nicht jeder hält bei den gleichen Orten, doch eines haben wir alle gemeinsam: Wir haben einen Traum, den es zu verwirklichen gibt.

Freiheit in der Öffentlichkeit?

Auf meiner persönlichen Reise habe ich vor allem Eines mit der Zeit festgestellt: Die Freiheit, die uns angepriesen wird, ist nicht echt. Die Möglichkeiten, die unsere Welt uns offenbart, sind nicht ohne Risiko. In vielen Themen fühle ich unsichtbare Fesseln um meine Handgelenke, die mich warnen, meine ehrlichen Ansichten öffentlich in einem Blog mitzuteilen. Man könnte nun sagen, dass es mir an Mut fehlt. Doch ist es das wert, seine Meinung der ganzen Welt mitzuteilen, um dafür von allen Seiten kritische Blicke einzuheimsen? Die Worte müssen nicht einmal vollkommen gegen die allgemeine öffentliche Meinung stehen. Es reicht, ein paar Wörter zu benutzen, die sonst niemand benutzt, etwas eine andere Bezeichnung zu geben, die niemand hören will. Ist das diese Freiheit, von der alle reden? Man ist frei, solange man die gleiche Meinung teilt wie die Mehrheit. Man ist frei, solange man auf den gleichen Pfaden wandert. Ein anderer Weg führt automatisch in die Vollzeitbeobachtung und Kritik sogar der eigenen besten Freunde.

Auf der sicheren Seite

Je länger ich darüber nachdenke, was mich bewegt, um ein Thema zu finden, über das ich schreiben könnte, desto mehr Tabus fallen mir auf. Was übrig bleibt, sind die überall bereits angepriesenen 08/15 Blogthemen: Shopping, Kleidung, Beauty, Haustiere, Reisen, Essen, Sport. Themen, über die kaum jemand wirklich viel Negatives sagen kann, die uns alle im Alltag begleiten. Tätigkeiten, die der Öffentlichkeit ein positives Bild von uns liefern, wie positive Eating, Yogatrends und Naturprodukte der Beautyindustrie. Und schon geht es um die Selbstinszenierung, um der Welt mitzuteilen: «Schaut, wie gut ich bin, auf meinem eigenen, individuellen Weg!» statt um die wirklichen, inneren Bewegungen. Wer würde schon öffentlich schreiben «Was mich zum Sport bewegt hat, ist die Sehnsucht nach einem Partner. Laut unseren Medien braucht man dafür einen guten Körper, den ich bisher nicht hatte.» oder «Ich spende nach Afrika, um mein Karma aufzubessern, damit ich mich selber besser fühle, während ich der Welt mitteilen kann, wie gut ich bin.» Was auffällt ist vor allem Eines: Es fehlt die Persönlichkeit, die Ehrlichkeit.

Selbstreflexion

Wer meinen Blog liest, dem fällt ganz sicher eines auf: Meine eigene ständige Selbstbeobachtung. Ich halte es für wichtig, im Leben immer wieder einmal inne zu halten und mich zu fragen: «Wo stehe ich gerade? Wohin bewege ich mich? Und wo wollte ich ursprünglich hin?» Ich bin stark der Meinung, dass diese Selbstreflexion sehr wichtig ist für die persönliche Entwicklung. Und genau diese Haltung, so glaube ich, hätten auch unsere Medien, die Weltpolitik, die Unternehmen, alles öffentlich Geteilte wieder einmal nötig. Ein Innehalten, ein Zurückerinnern an eigene Werte, an den Traum, der uns bewegt hat, in die Zukunft aufzubrechen, in der wir jetzt stehen.

 

Und wie geht es weiter?